Wie funktioniert ein Börsengang?

Eine Aktiengesellschaft stellt Wertpapiere aus (Emission) und verkauft sie über die Börse. Damit gehen Anteile am Unternehmen in den Besitz von Anlegern über.

Für diese Wertpapierplatzierung an der Börse hat sich die englische Abkürzung IPO durchgesetzt. Sie steht für „Initial Public Offering“, also das erste öffentliche Angebot. Allgemein ist mit einem IPO eine Börsenzulassung und die Aufnahme zum Börsenhandel verbunden.

Warum gehen Aktiengesellschaften an die Börse?

Eines der wichtigsten Motive für einen Börsengang ist es, dass ein Unternehmen durch die Ausgabe von Aktien frisches Geld erhält. Dieses Kapital kann zum Beispiel der Finanzierung eines neuen, vielversprechenden Projekts oder einer neuen Fabrik dienen. Andere Gründe sind etwa, dass der Firmenname bekannter und das Unternehmen für neue Mitarbeiter und Führungskräfte attraktiver wird. Das steigert im Vergleich zur Konkurrenz die Wettbewerbsfähigkeit.

Bei einem Börsengang beteiligt das Unternehmen Anleger an der Firma. Die neuen Aktionäre schießen dafür frisches Geld ins Unternehmen. Wenn die Geschäfte gut laufen, werden sie dafür in Form einer Dividende am Gewinn beteiligt und können von Kursgewinnen profitieren. Laufen die Geschäfte nicht, gibt es auch keine Dividende.

Will ein Unternehmen an die Börse, muss es die Rechtsform einer Aktiengesellschaft (AG) haben. In aller Regel beauftragt das Unternehmen verschiedene Banken (Konsortium), die den Börsengang für die Aktiengesellschaft durchführen. Börsengänge sind meist aufwändig und mit erheblichen Kosten verbunden. Deshalb überlegen es sich Unternehmen sehr genau, ob sie diesen Schritt gehen. Gewagt haben ihn in Deutschland im Jahr 2016 lediglich fünf, 2015 immerhin 15 und 2014 acht Firmen.

Was kostet eine neue Aktie?

Welcher Preis sich für die Aktien eines Unternehmens beim Verkauf erzielen lässt, hängt sowohl vom geschätzten Wert des Unternehmens als auch der aktuellen Marktlage an den Börsen ab. Möglich ist ein Festpreisverfahren, bei dem die Anteilsscheine zu einem fixen Preis angeboten werden.

Sollen die Aktien nicht zu einem festen Preis angeboten werden, wird meist ein Bookbuilding- oder Auktionsverfahren angewendet, bei dem eine Preisspanne (Minimum- /Maximumpreis) festgelegt wird. Investoren müssen im Rahmen einer Auktion vorab sagen, was ihnen die Aktie maximal wert wäre. Der tatsächliche Emissionskurs wird dann aus dem Durchschnitt dieser Gebote gebildet. Ziel ist es, auf diese Weise einen fairen Preis zu erzielen.

In Zeiten boomender Märkte ist es häufig gar nicht so einfach, Wertpapiere bei einem Börsengang zu ergattern. Emissionen sind häufig überzeichnet – das heißt, dass mehr Anleger Aktien kaufen wollen als überhaupt angeboten werden. Dann legen die Banken des Konsortiums in Abstimmung mit dem Unternehmen die Zuteilung fest, so dass eine möglichst faire Behandlung aller Anleger gegeben ist.

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